Sabine Moll  |  Blog

Artgerecht leben – was der Mensch vom Tier lernen kann

Denn nur wer artgerecht lebt, kann sich selbst wieder ganz begegnen.
Wenn wir ein Haustier halten – eine Katze, einen Hund oder ein Kaninchen – dann wissen wir: Es braucht Auslauf. Es braucht Rückzugsorte. Es braucht gutes Futter, Zuwendung, Ruhe und die Möglichkeit, sein Wesen auszuleben. Alles andere wäre nicht artgerecht. Aber wie sieht es mit uns selbst aus? Leben wir eigentlich noch „artgerecht“? Viele von uns verbringen den Großteil ihres Tages sitzend – vor Bildschirmen, unter Kunstlicht, mit getakteten Kalendern, ständiger Erreichbarkeit und einem konstanten Strom an Informationen. Wir schlafen zu wenig, essen hastig, bewegen uns kaum und vergessen oft sogar zu atmen. Und wenn unser System Alarm schlägt – durch Stresssymptome, Schmerzen, Erschöpfung oder emotionale Überforderung – fragen wir uns, was mit uns nicht stimmt. Doch vielleicht ist nicht mit uns etwas falsch – sondern mit den Bedingungen, unter denen wir leben. Vielleicht ist unser Lebensstil schlicht: nicht artgerecht.

Was wäre denn ein artgerechtes Leben für den Menschen?

Ein artgerechtes Leben für den Menschen ist kein Rückzug in die Steinzeit. Aber es bedeutet, unsere natürlichen Bedürfnisse wieder ernst zu nehmen:

  • Rhythmus statt Dauerleistung
  • Verbindung statt Isolation
  • Ruhe statt Dauerreiz
  • Natur statt nur Beton
  • Körperkontakt, Nähe, echte Gespräche
  • Zeit zum Verarbeiten, Fühlen, Sein

All das sind keine Luxusgüter. Es sind Grundbedürfnisse. Ohne sie verkümmern wir – emotional, körperlich und seelisch.

Symptome eines nicht-artgerechten Lebens

Viele Menschen sind heute erschöpft, reizüberflutet, abgeschnitten von sich selbst. Sie leiden unter Schlafstörungen, Verspannungen, innerer Leere, chronischer Anspannung oder dem Gefühl, „funktionieren“ zu müssen, ohne wirklich zu leben. Sie glauben, sie seien zu sensibel, zu schwach oder einfach nicht belastbar genug. Aber vielleicht ist genau das die gesunde Reaktion eines Organismus, der versucht, in ungesunden Umständen zu überleben.

Der Weg zurück zur inneren Natur

Ein erster Schritt kann sein: innehalten. Dem Körper wieder zuhören. Die Signale ernst nehmen, statt sie zu übergehen. Sich wieder selbst spüren lernen – in einem sicheren, wertschätzenden Raum. In meiner Arbeit mit achtsamer Kommunikation, Cranio Sacraler Körperarbeit und Achtsamkeitstraining begleite ich Menschen genau dabei. Nicht, um sie zu optimieren. Sondern um sie zu erinnern: An das, was schon da ist. An ihre eigene innere Natur. An das Wissen des Körpers. An die Kraft der Stille. An das Recht, nicht nur zu funktionieren, sondern wirklich zu leben.

Fazit

Artgerecht zu leben bedeutet nicht, sich zurückzuziehen oder alles anders zu machen. Es heißt: bewusster mit sich selbst zu sein. Die Bedürfnisse des eigenen Wesens zu achten. Und Schritt für Schritt einen Alltag zu gestalten, in dem Menschsein wieder möglich ist – mit allem, was dazugehört: Stille, Berührung, Präsenz, Fehler, Freude, Tiefe.

Denn nur wer artgerecht lebt, kann sich selbst wieder ganz begegnen.

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